Farbige Edelsteine

Alles Wissenswerte über Rubin, Aquamarin Turmalin und Co.

Schon in der Antike weckten Edelsteine große Begehrlichkeiten. In der griechischen Mythologie fielen sie als göttliche Tränen vom Olymp auf die Erde hinab und verwandelten sich dort in schillernde Aquamarine, Turmaline, Rubine, Smaragde, Saphire oder Opale. Und natürlich schmückten sie seit jeher auch die Kronen und Zepter mächtiger Monarchen.

Die Entstehung von Edelsteinen

Bis farbige Edelsteine zu kostbaren Colliers, Ringen oder außergewöhnlichem Armschmuck avancieren, sind Millionen oder sogar Milliarden Jahre und viele Stunden präziser Handwerkskunst verstrichen. Viele Edelsteine entstehen im Inneren der Erde in Kilometern Tiefe, unter großem Druck und starker Hitze. Aber auch in den Weiten der Ozeane und sogar an der Oberfläche der Erde können Edelsteine unter bestimmten chemischen und physikalischen Bedingungen entstehen.

Vorkommen der Edelsteinarten

Weltkarte, die Vorkommen der verschiedenen Edelsteinarten zeigt

Qualitätskriterien für feine Steine

Worin unterscheidet sich ein Edelstein vom Halbedelstein oder normalem Kies? Natürliche Steine entstehen ohne künstlichen Einfluss in der Natur. Ein Edelstein verfügt darüber hinaus über besondere Eigenschaften, wie eine schillernde Farbe oder auch komplette Farblosigkeit. Auch die Transparenz, besondere optische Effekte, die Brillanz sowie einzigartige Strukturen und Texturen sind Merkmale von Edelsteinen.

In vergangenen Jahrhunderten wurden ausschließlich transparente Steine als Edelsteine bezeichnet. Alle undurchsichtigen Exemplare hießen Halbedelsteine und galten irrtümlicherweise als weniger wertvoll. Heute weiß der Experte, dass viele der undurchsichtigen Steine wesentlich seltener sind, als ein großer Teil der transparenten Edelsteine. Aus diesem Grund wird die Bezeichnung Halbedelstein schon seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet.

Fünf Ringe mit verschiedenfarbigen Edelsteinen

Die Farbe

Für farbige Edelsteine gilt ein intensiver und reiner Farbton als eines der hauptsächlichen Kriterien zur Wertbestimmung. Die Farbe erhalten Edelsteine durch die Einlagerung bestimmter Elemente, unter anderem Eisen, Chrom, Mangan oder Titan. Aber auch seltene Erden, Verschiebungen in der inneren Struktur, Einschlüsse und besondere optische Effekte können wunderschöne und seltene Farben hervorbringen.

Farbpalette, die verschiedene Farbtöne der Edelsteinarten Saphire, Aquamarine, Turmaline, Topase und Rubine darstellt

Im Handel haben sich dafür auch eigene Bezeichnungen gebildet. So wird eine hochwertige Rubinfarbe mit „Taubenblutrot“ oder ein Saphir mit “Kornblumenblau” beschrieben.

Die Reinheit

Auch bei farbigen Edelsteinen bewertet der Experte den Grad der inneren Reinheit. Das geschieht, anders wie bei Diamanten, nicht mit einer Lupe, sondern mit dem bloßen Auge. Die höchste Reinheitsstufe bezeichnet der Experte daher als “augenrein”. Oft verfügen Farbedelsteine auch über Einschlüsse. Sie sind Zeichen und Folgen ihrer Entstehungsgeschichte sowie ein Beweis ihrer Echtheit. Gemmologen, ausgebildete Fachleute mit mineralogischen Kenntnissen von Edelsteinen, können anhand von Einschlüssen und weiteren Charakteristika, Rückschlüsse auf den Entstehungsort der Edelsteine ziehen.

Illustration stellt unterschiedliche Ausprägungen des Reinheitsgrads dar
Ohrringe, Ketten und Ringe mit verschiedenfarbigen Edelsteinen

Das Gewicht

Das Gewicht der Edelsteine wird seit der Antike in Karat bestimmt. Aus Überlieferungen geht hervor, dass die Samen des Johannisbrotbaumes als Ursprung gelten, da ihr Gewicht ungewöhnlich einheitlich ist. Ein Karat entspricht heute exakt 0,2 Gramm. Vor allem im englischen Sprachraum wird auch die Reinheit des Goldes in Karat angegeben. Dies hat allerdings nichts mit dem Gewicht von Edelsteinen zu tun.

Illustration zu unterschiedlichen Karatausprägungen

Doch ein stattlicher Stein allein bestimmt nicht den Wert der Edelsteine. Zwischen Exemplaren mit dem gleichen Gewicht können große Preisunterschiede liegen, denn erst das Zusammenspiel aus Seltenheit, Reinheit, Farbe und Schliff bestimmt den Wert eines Edelsteins.

Der Härtegrad

Viele Edelsteine verfügen über eine hohe Härte und Widerstandsfähigkeit. So ist zum Beispiel der Diamant das härteste natürliche Material der Erde. Bearbeiten und Polieren lässt er sich nur mit sich selbst. Dabei verfügt der Edelsteinschleifer über eine besondere Kenntnis der inneren Struktur und Beschaffenheit der Edelsteine.

Illustration zu Härtegradausprägungen
Ketten mit verschiedenfarbigen Edelsteinarten

Der Schliff

Um farbige Edelsteine zum Leben zu erwecken, braucht es viel Liebe zum Detail, einen geschulten Blick und großes Geschick. Denn erst die Bearbeitung und der Schliff entfaltet die Schönheit der Edelsteine in all ihren Facetten. Der Edelsteinschleifer benötigt viel Kunstfertigkeit, um bei der Bearbeitung des Edelsteins möglichst viel vom wertvollen Material zu erhalten. Dabei wählt er aus einem Repertoire von Schliffvarianten. Ein Klassiker ist der kreisrunde Brillantschliff mit mindestens 57 Facetten. Weitere Klassiker: der achteckige Smaragdschliff, der Tropfenschliff, der Ovalschliff, der Navetteschliff, geformt wie ein Schiffchen und der Princessschliff, der die Form eines Karrees aufweist. Auch runde und ovale Cabochonschliffe sind besonders beliebt.

Der Edelsteinschleifer entscheidet individuell bei jedem Rohedelstein, welcher Schliff die Lichtreflektion des Farbedelsteins optimal widerspiegelt, um ihn in seiner brillantesten Form erstrahlen zu lassen. Im letzten Schritt verhilft er dem Juwel mit einer Politur zu Hochglanz.

Illustration zu verschiedenen Schliffarten der Edelsteine

Die Artenvielfalt der Edelsteine

Die berühmten Edelsteine der Welt wechseln bei Auktionen für mehrere Millionen Euro den Besitzer und haben oft eigene Namen. Sie heißen „Sunrise Ruby“, „Blue Belle of Asia“ oder „Star of Adam“. Dabei verfügen diese über das perfekte Zusammenspiel aus Farbe, Reinheit, Gewicht und Schliff oder stechen durch ihre Größe heraus.

Rubin

Der Rubin ist einer der wertvollsten Edelsteine der Welt und übertrifft in seiner feinsten Qualität häufig den Wert eines Diamanten. Er gehört zur Mineralgruppe des Korund, wobei ausschließlich eine bestimmte rote Varietät als Rubin bezeichnet wird. Ein besonders berühmtes Beispiel ist der „Sunrise Ruby“ in Taubenblutrot, mit 25,59 Karat ein selten großes Exemplar. Heute ziert der Edelstein einen mit Brillanten besetzten Cartier-Ring, der während einer Versteigerung des Auktionshauses Sotheby’s im Jahr 2014 für 27 Millionen Euro den Besitzer wechselte.

Ring und Kette mit Rubinstein

Topas

Der Topas kommt in der Natur in vielen Farben und Nuancen vor: Dabei reicht das Repertoire von Gelb über Orange und Rot, bis zu Braun, Blau, Grün, Rosa und Violett. Es gibt darüber hinaus auch noch Topase, die völlig farblos sind. Eine besondere Eigenschaft von farbigen Topasen besteht darin, dass sie aus unterschiedlichen Richtungen betrachtet verschiedene Farben, Farbtöne oder Farbintensitäten aufweisen können. Eine solche Mehrfarbigkeit nennt der Gemmologe “Pleochroismus”. Auch bei Edelsteinen wie dem Turmalin oder Rubin ist diese Eigenschaft zu beobachten, das ist aber nicht zu verwechseln mit einer Fluoreszenz, wie sie bei Topasen vorkommen kann.

Ohrringe und Kette mit Topasstein

Saphir

Wie der Rubin, gehört auch der Saphir zur Mineralfamilie des Korund und verfügt über denselben chemischen Aufbau. Dabei unterscheidet er sich allerdings in seiner Farbe: Ein echter Saphir verfügt über einen tiefblauen Farbton. Es gibt aber auch zahlreiche weitere Farben wie weiße, gelbe, grüne und pinke Saphire. Sie stammen unter anderem aus Thailand, der Region Kaschmir, Sri Lanka und Australien, wobei jeder Fundort seine eigene Charakteristik aufweist. Ein besonders berühmtes Juwel ist das Stück „Blue Belle of Asia“, das im Jahr 2014 für 14 Millionen Euro in einer Auktion von Christie’s versteigert wurde. Dieser außergewöhnliche Edelstein wurde im Jahr 1926 in Ratnapura in Sri Lanka entdeckt. Dann fiel er in den Besitz verschiedener Edelsteinhändler, bis die Preziose Jahrzehnte später von einem Privatsammler erworben wurde. 35 Jahre war es still um das „Blue Belle of Asia“, bis es plötzlich zur Auktion von Christie’s wieder auftauchte und solvente Schmuckliebhaber in Aufregung versetzte.

Ringe mit Saphirstein

Smaragd

Der Smaragd gehört zur Edelsteingruppe des Beryll. Zu bekannten Vertretern dieser Gruppe gehört darüber hinaus noch Aquamarin, Morganit und Goldberyll. Die grüne Varietät, der Smaragd, ist einer der kostbarsten Edelsteine der Welt. Hochreine Smaragde von tiefgrüner Farbe sind besonders selten. Die feinsten Qualitäten aus den Minen Kolumbiens können Preise wie Diamanten erreichen oder sogar übertreffen. Dem grünen Feuer, wie der Smaragd auch genannt wird, war auch die berühmte Opernsängerin Maria Callas verfallen. Auf ihrem weltbekannten Collier brillierten 48 Smaragde und 672 Brillanten.

Doch der größte Smaragd, der erst im vergangenen Jahr aus 200 Metern Tiefe ans Tageslicht befördert wurde, wiegt 360 Kilogramm und stammt aus einer Mine in Brasilien. Er eignet sich aber eher als imposantes Sammlerobjekt und nicht als edles Schmuckstück.

Aquamarin

Der Aquamarin ist wie der Smaragd ein Beryll und verfügt über denselben chemischen Aufbau. Nur die blaue Farbe macht einen Beryll zum Aquamarin. Einer der vermutlich größten Edelsteine dieser Art wurde im Jahr 1919 in einer brasilianischen Mine gefunden und war besonders hochkarätig: Er soll 550.000 Karat, also 110 Kilogramm schwer gewesen sein. Aus ihm wurden 1.600 einzelne Steine geschliffen. Neben Brasilien liegen weitere bedeutende Fundstätten in Madagaskar, Kolumbien und mehreren afrikanischen Regionen.

Kette mit Aquamarinstein

Turmalin

Die Farben des Turmalins reichen mit vielen Übergängen von farblos über Rosa, Rot, Braun, Gelb und Goldfarbig bis hin zu Grün, Blau oder Schwarz. Er ist einer der farbenreichsten Edelsteine die es gibt. Zwei- oder mehrfarbige Exemplare sind eine weitere Besonderheit des Turmalin, dazu zählt unter anderem der sogenannte “Wassermelonen-Turmalin” in Rot und Grün. Seltene Edelsteine wie diese sind besonders begehrt. Turmaline aus der Paraiba-Mine in Brasilien erreichen in Topqualität einen Preis von 6.000 US-Dollar je Karat.

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